Unterschätztes Risiko in der Pferdehaltung?


Jakobskreuzkraut   (Senecio jacobaea, Familie: Korbblüter)

In Deutschland gibt es ungefähr 25 Arten von Kreuzkraut. Alle sind auf unterschiedlich starke Art giftig. Am giftigsten ist aber das Jakobskreuzkraut, welches sich in den letzten Jahren sehr stark verbreitet hat. Ursprünglich wurde als Straßenbegleitgrün Saatgut mit geringen Kreuzkrautanteilen ausgesät. Da diese Flächen dann wenig gepflegt wurden, konnte sich das Jakobskreuzkraut ungehindert vermehren.

 

Aufgrund der Tatsache, dass die Giftigkeit der Pflanze zu diesem Zeitpunkt noch weit-gehend unbekannt war, wurde hier nicht frühzeitig eingegriffen, um die Vermehrung der Pflanze zu stoppen. Dies führte zu der heutigen Problematik, dass viele Tierhalter auf ihren Weiden und Futterflächen mit der Ausbreitung dieser Giftpflanze zu kämpfen haben.

Da damals auch in kaum einem Fachbuch für Pferde das Jakobskreuzkraut als Giftpflanze beschrieben wurde und Warnungen nicht ernst genommen wurden, konnte sich diese Pflanze besonders auch auf Pferdeweiden ausbreiten.

 

Besonders gefährdete Flächen sind:

  • Stillgelegte Flächen
  • Straßen und Wegränder
  • Industriebrachen, unbewirtschaftete Gewerbeflächen
  • Weiden und Wiesen mit lückenhafter Grasnarbe
  • Weiden und Wiesen in der Nähe von Brachflächen
  • Trittgeschädigte Weiden, überweidete Flächen
  • Ungedüngte, ungepflegte Weiden und Wiesen
  • Einseitige Nutzung der Weiden, insbesondere durch Pferde (verbissene Grasnarbe)
  • Ganzjahresweiden

Weniger gefährdet sind folgende Flächen:

  • Weiden und Wiesen in der Umgebung von Feldern und Äckern
  • Gedüngte und chemisch behandelte Flächen
  • Mehrfach im Jahr geschnittene Flächen bei entsprechendem Weidemanagement


Beschreibung und Aussehen der Pflanze

Bei dem Jakobskreuzkraut handelt es sich um eine zweijährige Pflanze. Zweijährig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Pflanze erst im zweiten Vegetationsjahr blüht und nicht, dass sie nur zwei Jahre alt wird. Die Blütezeit findet von Juni bis September statt.

 

Die Pflanze wird zwischen 30 cm und 120 cm hoch. Einzelne Pflanzen können sogar eine Höhe von 180 cm erreichen. Als Jungpflanze sind die Blätter noch rundlich und wenig gefiedert. Die ersten Keimblätter sind nur 1 – 2 cm groß. Während dieses Stadiums enthalten sie noch keine Bitterstoffe und werden daher auch nicht von den Tieren gemieden.

Später sind die Blätter fiederteilig und die Seitenzipfel rechtwinklig abstehend. Die Blüten sind immer gelb. Es gibt zahlreiche Blütenköpfchen, die einen Durchmesser von 15 bis 25 mm haben. Die  Hülle besteht aus 13 Hüllblättern.

Die Anzahl der Hüllblätter ist kennzeichnend für das Jakobskreuzkraut und unterscheidet u. a. von den anderen Kreuzkrautarten. Die Spitzen sind meistens schwarz gefärbt. Zerriebene Blätter riechen sehr unangenehm. Im zweiten Jahr entwickelt sich ein dunkelroter, aufrechter Stängel.



Verbreitung

Jede Pflanze kann bis zu 150.000 Samen bilden, die mit dem Wind, durch landwirtschaftliche Maschinen und Autos, etc. weit verbreitet werden. Die Samen haben eine Haltbarkeit von 16 bis 20 Jahren. Wenn das Jakobskreuzkraut zum Zeitpunkt der Vorblüte oder während der Blütezeit geschnitten wird, entwickelt die Pflanze eine sogenannte Notreife, d.h.

innerhalb weniger Stunden bis zu wenigen Tagen kommt es zur Samenbildung. Die Vernichtung durch Vergärung oder Verrottung (Kompost, Mist) ist nicht möglich. Die Verbreitung der Samen dieser Pflanze in der Nähe von Weide- und Futtergewinnungsflächen muss also unter allen Umständen verhindert werden.



Toxizität

Alle Teile der Pflanze sind stark giftig. Die Blüten weisen die höchste Konzentration an Alkaloiden auf, die jungen Pflanzen sind am giftigsten. Normalerweise wird die Pflanze auf der Weide nicht gefressen, aber im Rosettenstadium besteht eines der größten Risiken für eine Vergiftung, da die Triebe für 6 – 7 Wochen keine Bitter- und Geruchsstoffe enthalten aber bereits sehr giftig sind.

Sie werden daher vor allem von unerfahrenen Jungtieren und bei dichteren Beständen, mit nicht ausreichendem Weideland, gefressen. Von älteren Tieren wird sie 

meist nur gefressen, wenn der Pferdebestand auf der Weise zu hoch ist und es dadurch zu einer Überweidung und daraus folgender Futterknappheit kommt. Die Giftstoffe der Pflanze bleiben auch in Heu und Silage wirksam und werden hier immer gefressen, da sie ihren typischen Eigengeruch und ihre Bitterkeit verlieren.

Nach heutigen Erkenntnissen wirken beim Pferd 40 bis 80 g Frischgewicht je kg Körpergewicht tödlich. Das Rind benötigt für eine Vergiftung eine etwas größere Menge, nämlich 140 g Frischgewicht je kg Körpergewicht. 



Wirkung

Durch die Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) entstehen starke Leberschädigungen. Aufgrund der Kreuzkrautvergiftung kommt es zu einer Störung der Gehirntätigkeit, die mit Bewusstseinsstörungen einhergeht. Sie beruht auf einer Leberdegeneration und wurde in älteren Fachbüchern als „Schweinsberger Krankheit“ oder „Leberkoller“ beschrieben.

Wenn größere Mengen innerhalb kurzer Zeit aufgenommen werden, spricht man von akuter Vergiftung. Hier tritt der Tod innerhalb weniger Tage ein. In den meisten Fällen aber wird das Jakobskreuzkraut über einen längeren Zeitraum in geringen Mengen aufgenommen, z.B. durch die 

Winterfütterung von kontaminiertem Heu, was dann zu einer Langzeitintoxikation führt und zum Tod kommt es bei fortgesetzter Aufnahme erst nach Wochen oder auch Monaten. Pferde und Schweine sind die am empfindlichsten reagierenden Tierarten. Rinder, Schafe, Ziegen und andere Heim-, Haus- und Wildtiere haben eine höhere Toleranzschwelle, sind aber trotzdem bei entsprechender Menge gefährdet.

Die Heilung ist schlecht bis sogar aussichtslos. Je eher die Symptome erkannt werden, umso größer ist die Chance einer eventuellen Rettung. Hier sollte man zuallererst auf Wesensveränderungen der Tiere achten.



Symptome

Zu den anfänglichen Beschwerden gehören aufgrund der Gehirnreizung Bewusstseinstrübung, hängende Köpfe, Mattigkeit und Gehstörungen. Hinzu kommen können Magen-/Darmbeschwerden bis hin zu Darmlähmungen. Das Ausmaß der Störungen ist abhängig von der Menge der zerstörten Leberzellen. Das Leberversagen führt dann zu völliger Teilnahmslosigkeit, der Kopf wird aufgestützt und das Tier muss sich z.B. an der Futterkrippe oder Stallwand anlehnen, da es schwankt und taumelt. Es kann zu unnormaler Gliedmaßenstellung und unkoordinierten Zwangsbewegungen kommen. Unter Umständen kann sich diese depressive Phase aber auch abwechseln mit anfallsweiser Übererregbarkeit, Krämpfen, Aufregung bis hin zur Tobsucht und kann dann im Koma enden.

 

Stark erhöhte Leberenzymblutwerte  sind immer vorhanden, eine Gelbsucht kann auch auftreten.

 

Wenn nur kleine Mengen des Jakobskreuzkrautes über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden, sind die Symptome nur sehr unspezifisch und können auch auf viele andere Erkrankungen hindeuten. Es können sich Appetitlosigkeit, 

Abmagerung, Verdauungsstörungen mit kolikartigen Beschwerden aber auch Verstopfung und blutiger Durchfall zeigen. Weiterhin zeigen Pferde meist eine nachlassende Kondition, die einhergehen kann mit Gehstörungen, wie z.B. Taumeln und Zehenschleifen, Abgeschlagenheit und hängenden Köpfen. Haarausfall und Unruhe kann hinzukommen.

Besonders auf Vergiftung deuten die Symptome häufiges, ausgiebiges Gähnen, zielloses Wandern („walking disease“) oft auch im Kreis, Lecksucht, Photosensibilität und Gelbfärbung der Lidbindehäute hin.

 

Zusätzlich auftreten können auch Schwellungen und Rötungen an Abzeichen (Gesicht, Fesseln), toxische Hufrehe, großflächige Hautablösungen und Blindheit. Beim Rind kann es zu reduzierter Milchleistung und abnorm gefülltem Pansen wegen fehlender Pansenmotorik kommen.

Allerdings treten nicht immer alle Symptome gleichzeitig auf. Der Tod kündigt sich durch Krämpfe, Verwerfen, dunklen Harn, Blindheit, Kopfpressen und hepatitisches Koma an. Auch bei labordiagnostisch nachweisbarer Leberschädigung ist es schwer, das Jakobskreuzkraut als Ursache zu identifizieren.



Behandlung

Eine Behandlung kann nur bei den ersten Symptomen zum Erfolg führen und muss daher frühzeitig einsetzen. Das alkaloidhaltige Futter muss sofort abgesetzt werden. Das Tier benötigt in den darauffolgenden Tagen Ruhe, viel frisches Wasser und eine symptomatisch orientierte Behandlung durch

den Tierarzt und auch naturheilkundlich durch den Tierheilpraktiker. Eine zusätzliche Behandlung mit Mariendistel scheint zur Zeit die beste Therapie darzustellen. Hierbei wird das „Sylimarin“, ein Auszug aus der Mariendistel, eingesetzt. Es sollte nur in gereinigter Form verwendet werden.



Bekämpfung des Jakobskreuzkrautes

Es ist nicht möglich, die Verbreitung des JKK durch Mähen während des Weidegangs zu verhindern. Gerade hierdurch beginnt die Pflanze stärker auszutreiben und ihr Gehalt an Giftstoffen steigt innerhalb kürzester Zeit um das Hundertfache. Auf diese Art und Weise wird nur der Neuaustrieb gefördert und die Giftigkeit steigt immens. Die Pflanze muss also komplett von Hand, mit dem gesamten Wurzelwerk, ausgestochen werden. Da das Jakobskreuzkraut auch für Menschen stark giftig ist, müssen hierbei unbedingt Handschuhe getragen werden.

 

Nicht blühende und nicht samentragende Pflanzen können zwar auf dem Misthaufen entsorgt werden aber man muss unbedingt dafür sorgen, dass dort keine Wurzeln der Pflanzen landen, da es sonst zu einer Neuverwurzelung kommen kann. Aus diesem

Grund ist es notwendig, die Pflanzen zu verbrennen oder in speziellen Kompostierungsanlagen zu entsorgen. Die Eigenkompostierung im Hausgarten ist grundsätzlich nicht geeignet. Möglich ist die Verwertung in der Biogasanlage. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Samen nach dem Verweilen in der Biogasanlage ihre Keimfähigkeit verloren haben und man daher nicht befürchten muss, dass sie wieder auf Flächen verteilt werden.

Es gibt auch Totalherbizide mit denen man die Pflanze vernichten kann. Trotzdem wird auch hierbei das vorherige Ausgraben der Pflanze empfohlen. Die Erfolge mit biologischen Maßnahmen, wie z.B. der Raupe des Karmin- oder Blutbären (Nachtfalter) in den USA, Südafrika und Australien waren leider gering, da die Pflanzen genügend Möglichkeiten hatten, sich zu regenerieren.



Verwandte Arten, auch meist giftig

Fuchskreuzkraut, Frühlings-Kreuzkraut, Alpen-Kreuzkraut, Raukenblättriges Kreuzkraut, 

Wasserkreuzkraut, Gemeines Kreuzkraut (wird oft mit der wilden Kamille verwechselt).